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Grosses Echo auf das Förderprogramm KTI



Innovationsförderung kommt in Schwung
 
Das Massnahmenpaket gegen den „starken Franken“, mit dem der Bundesrat der Exportwirtschaft unter die Arme greift, stösst auf grosses Echo. Aber auch abgesehen von diesen Sonderanstrengungen gibt es für innovative Firmen eine ganze Palette von Unterstützungsmöglichkeiten.
 
Mit so einem Ansturm hatten auch die grössten Optimisten nicht gerechnet: 600 Gesuche von Firmen, die von den Sondermassnahmen des Bundes profitieren wollen, sind bis Ende November bei der KTI eingereicht worden. Bis zum Ablauf der Eingabefrist Mitte Dezember rechnet man bei der Innovationsagentur des Bundes mit weiteren 200 Projekten, die von den einmalig günstigen Bedingungen profitieren wollen, mit denen innovative Unternehmen zurzeit mit Forschern zusammenspannen können. „Dieses gewaltige Interesse hat uns fast ein wenig umgeworfen“, sagt Patrick Roth, Leiter Clustermanagement bei innoBE. Er berät als einer von 40 KTI-Mentoren Firmen, die Kontakt zu Forschungseinrichtungen suchen.
 
Das Ziel des vom Parlament beschlossenen Massnahmenpakets: Exportorientierte Unternehmen sollen ihre Innovationsvorhaben trotz angespannter Finanzlage durchführen können und so international konkurrenzfähig bleiben. Dazu fördert der Bund die Auftragsforschung im Dienst der Wirtschaft. 100 Millionen Franken werden in die Sonderförderung investiert. Die entsprechenden Massnahmen sind befristet, laufen parallel zur üblichen Projektförderung der KTI und sollen die Unternehmen bei Forschung und Entwicklung aber auch bei der Markteinführung von innovativen Produkten entlasten. Zentral dabei ist der Austausch zwischen Firmen und Forschungsinstitutionen. Den neuen Ideen der Wirtschaftspartner soll in enger Zusammenarbeit mit dem Forschungspartner zum Durchbruch verholfen werden. Die KTI übernimmt dabei die Saläre der Forscher und finanziert auch Anlagen und Geräte in deren Labors.
 
Industrie sucht Nähe zur Forschung
Das Interesse an Innovationspartnerschaften ist auch in der Region Biel-Seeland gross. „Wir waren verblüfft, wie viele Firmen auf uns zugekommen sind“, sagt Patrick Roth, „und wenn auch nicht aus allen Anfragen ein KTI-Projekt wurde, konnten wir mit den Unternehmen doch andere Fördermöglichkeiten diskutieren.“ Es sei generell sehr positiv, dass die Industrie vermehrt die Nähe zur Forschung suche, um ihre Innovationsvorhaben voranzutreiben.
 
Zu den Unternehmen, die Roth in den letzten Wochen beim Einreichen von KTI-Fördergesuchen beraten hat, zählt zum Beispiel die Firma Manigley aus Sutz. Ihr Ziel: eine neue Generation von Gewindeschneidewerkzeugen künftig im obersten Preissegment zu positionieren. Weil dazu Topqualität alleine nicht ausreicht, möchte das Unternehmen zusammen mit Forschungspartnern Ideen wie eine spezielle Zertifizierung umsetzen.
 
Ein typisches Innovationsvorhaben, das durch die Zusammenarbeit mit der Forschung viel gewinnen könnte, verfolgt auch die Firma Pibomulti in Le Locle. Der Werkzeugmaschinenhersteller sorgt in der Branche gegenwärtig mit Produkten für Aufsehen, die vermehrt auf mechanische Lösungen und weniger auf Computersteuerung setzen und so grosse Produktivitätsgewinne bringen. Dieser neue Ansatz soll nun im Rahmen eines KTI-Projekts in Zusammenarbeit mit der ETH Lausanne weiter vorangetrieben werden.
 
Zu wenig bekannte Unterstützungsmöglichkeiten
Bei aller Freude über das unerwartet grosse Echo auf die Initiative des Bundes zur Stärkung der Innovationskraft gibt es einen Wermutstropfen: Viele der Firmen, die sich um Mittel aus dem 100-Millionen-Topf der KTI-Sondermassnahmen beworben haben, werden leer ausgehen. Allein die 600 bis Ende November eingereichten Projekte beantragen gemeinsam Fördergelder in der Höhe von 350 Millionen Franken. Doch, so gibt KTI-Mentor Roth zu bedenken: „Firmen, die jetzt keinen Erfolg hatten, haben durchaus Chancen, im nächsten Jahr im Rahmen eines KTI-Projekts unterstützt zu werden.“ 2012 beträgt das reguläre KTI-Budget wie in den Jahren zuvor 100 Millionen Franken. Und auch sonst existieren diverse Möglichkeiten zur Innovationsförderung.
 
Ein Umstand, der den Firmen in der Region Biel-Seeland noch viel zu wenig bewusst sei, meint Patrick Roth: „Wir sind sicher, dass die Unternehmen noch weit stärker von unseren Netzwerken profitieren könnten.“ Denn Innovationsförderung beschränkt sich nicht auf finanzielle Unterstützung, viel wichtiger ist das Vermitteln von Kontakten innerhalb der Industrie oder zu passenden Forschungseinrichtungen. Genau mit dieser Absicht organisiert der von Patrick Roth betreute Präzisionscluster regelmässig Treffen. So etwa einen grossen Nanotech-Anlass am 25. Januar 2012 in Bern. Die kantonale Wirtschaftsförderung bietet Berner Unternehmen aber auch individuelle Unterstützung an. So hat jede Firma Anrecht auf drei Tage kostenlose Innovationsberatung durch die innoBE.
 
Und noch mit einem Förderinstrument wartet der Kanton auf. Seit 2008 werden akzeptierte KTI-Projekte von der Wirtschaftsförderung finanziell unterstützt. Der Kanton übernimmt dabei die Hälfte der Projektkosten, für die gemäss KTI-Richtlinien der Industriepartner in einer Forschungspartnerschaft aufkommen muss. „Das macht kein anderer Kanton, diese Art von Unterstützung ist vorbildlich“, sagt Patrick Roth, „denn so lässt sich zum Beispiel ein Projektleiter für ein Innovationsvorhaben einstellen.“
 

Veröffentlicht am:
08:07:40 13.12.2011 | Comvation, System Comvation